Mit einem klaren Fahrplan koppeln die Stadtwerke Hettstedt ihre Fernwärme von fossilen Energieträgern ab – und bauen auf regionale Umweltwärme als stabile, klimafreundliche Energiequelle.
Von Susanne Christmann 05.05.2026, 18:00
Hettstedt/MZ. – Im Jahr 2030 könnte es soweit sein. Wenn alles nach Plan läuft, dann sind die Stadtwerke Hettstedt, was die Wärmeversorgung betrifft, in vier Jahren weg von fossilen Energieträgern.
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Ziel sei, so Heiko Ryll, der technische Leiter der Stadtwerke, bis dahin die schrittweise Entkopplung der Fernwärme vom fossilen Energiemarkt bewerkstelligt und gleichzeitig eine langfristig stabile Wärmeversorgung auf Basis lokaler Umweltwärme installiert zu haben.
Dafür starten die Stadtwerke jetzt auf dem ehemaligen Sportplatz an der Saigerhütte erneut mit einer Testbohrung, die bis in eine Tiefe von etwa 310 Metern reicht. Die soll wie eine erste Testbohrung 2023 einerseits helfen auszuloten, ob die vorhandene Erdwärme ausreicht, um Hettstedter Haushalte mit Fernwärme zu versorgen und andererseits Daten liefern, wie der Untergrund auf Wärmeentzug und Wärmeeintrag reagiert. Die gewonnenen Messdaten würden wichtige standortspezifische Informationen zu den geologischen und thermischen Eigenschaften des Untergrunds liefern.
Oberflächennahe Geothermie soll künftig Hettstedter Wohnungen heizen
„Auf Grundlage dieser Daten erstellen die Stadtwerke Hettstedt dann ein dreidimensionales Wärmetransportmodell“, so Ryll. Das bilde rechnerisch ab, wie sich die Temperaturen im Untergrund langfristig entwickeln – notwendig für die Auslegung eines geothermischen Sonderfelds. Das soll mittels oberflächennaher Geothermie genutzt werden. Dabei werde, erläutert Ryll, Wärme über geschlossene Rohrsysteme aus dem Untergrund aufgenommen oder in den Untergrund eingebracht. Ein ökologisches Verfahren, bei dem keinerlei Stoffe in den Boden eingeleitet und kein Grundwasser gefördert würden.
„Die Testbohrung ist Teil eines dreistufigen Entwicklungsprojekts“ blickt Ryll in die nahe Zukunft. In der ersten Projektstufe gehe es um den Neubau der Energiezentrale an der Saigerhütte, den Bau der Fernwärmetrasse sowie die Errichtung von Wärmespeichern. Das soll Ende 2027 geschafft sein. Kostenpunkt: 3,15 Millionen Euro, die zu einem wesentlichen Teil aus dem „Förderprogramm Sachsen-Anhalt Revier 2038“ kommen. Das Programm springt auch bei der zweiten Projektstufe ein.
Nutzung von Grubenwasser liegt in Hettstedt aktuell auf Eis
Diese umfasse bis Ende 2028 den Bau eines geothermischen Wärmespeichers auf Basis der oberflächennahen Geothermie. Hier werden 1,9 Millionen Euro investiert. In der dritten Projektstufe soll die Wärmeerzeugung dann unter anderem durch den Einsatz von Großwärmepumpen auf eine ökologische Basis gestellt werden. Diese Projektstufe befinde sich aktuell in der Planungsphase, solle Ende 2029 ihren Abschluss finden.
Die 2025 mit einer Machbarkeitsstudie ebenfalls in Erwägung gezogene Nutzung von Grubenwasser aus dem Schlüsselstollen und dem Wiederstedter Stollen werde hingegen aktuell nicht weiter verfolgt. Dabei sei zwar herausgekommen, dass beide Stollen über geothermische Potenziale verfügen würden. „Diese reichen aber für unsere aktuellen Vorhaben nicht aus“, sagt Ryll. Trotzdem könnte hier später noch einmal angeknüpft werden, etwa wenn es um die Wärmeversorgung eines kleineren Quartiers ginge.

